Durch zahlreiche epidemiologische Studien ist belegt, dass Übergewicht (body mass index, BMI ≥ 25) und Adipositas (BMI ≥30) mit einem erhöhten Risiko für zumindest 13 Krebserkrankungen einhergeht, wobei zahlenmäßig an führender Stelle Darmkrebs, postmenopausaler Brustkrebs und das Endometriumkarzinom zu nennen sind [1]. Es ist weniger die Zusammensetzung der Nahrung, die man zu sich nimmt, die Krebserkrankungen mehr oder weniger wahrscheinlich macht, als die Menge (genauer: die Kalorienzufuhr relativ zum Kalorienverbrauch), die ausschlaggebend ist. Unlängst konnte in einer schwedischen Studie (mit Innsbrucker Beteiligung) gezeigt werden [2], dass bei Männern der Taillenumfang (also das Bauchfett) ein noch wichtigerer Indikator für ein erhöhtes Krebsrisiko ist als der BMI, vermutlich weil das Bauchfett besonders stoffwechselaktiv ist und damit besonders wirksam (unvorteilhafte) Wachstumssignale befördern kann.
Soviel also zur recht eindeutigen Ausgangslage.
Unübersichtlich wird es allerdings, wenn man die Literatur zum Thema Ernährung bzw. Diät bei bestehender Krebserkrankung studiert. Wir wollen uns hier auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Kalorienrestriktion fokussieren. Die Forschung hat sich dem Thema mit Zellkultur, im Tierversuch und mittlerweile auch in klinischen Studien genähert. Konzeptuell geht ein Ansatz davon aus, dass durch Kalorienrestriktion (im klinischen Setting typischerweise periodischer Natur) in den gesunden Zellen des Organismus ein Ruhe- und Wartungsmodus induziert wird, der diese vor dem Einfluss etwa von Chemotherapeutika schützen kann. Andererseits ist den von Onkoproteinen angetriebenen Krebszellen ein Wechsel in den Wartungsmodus nicht möglich, im Gegenteil sollen sie durch reduziertes Vorhandensein von Wachtumssignalgebern wie Insulin-like growth factor 1 (IGF-1), Insulin und Leptin empfindlicher gegenüber therapeutischer Intervention gemacht werden. In der Zellkultur und im Tierversuch gelingt dies hervorragend [3,4], im klinischen Setting sind die Ergebnisse noch nicht überzeugend [5]. Einerseits gibt es grobe Limitationen in der Adhärenz zur Kalorienrestriktion, auch wenn diese nur periodischer Natur ist, andererseits müssen vermutete positive metabolische Effekte gegen eine (abträgliche) Gewichtsreduktion balanciert werden. Es muss in Betracht gezogen werden, dass bei Diagnose einer Krebserkrankung ein höherer BMI (also Übergewicht oder Adipositas) mit einer besseren Prognose verbunden ist und dass Gewichtsabnahme bei einer Krebserkrankung generell als abträglich angesehen wird [6,7].
Obwohl die Forschung zu dem Thema nicht abgeschlossen ist, dürfte eine generelle Schwierigkeit wohl darin liegen, bei einer so komplexen Thematik wie der Ernährung, ein pauschales, für eine größere Patientenguppe passendes Programm zu erstellen. Gerade bei Ernährungsfragen sind individuelle Faktoren (auch kulturelle, soziale Faktoren und Gewohnheit), die konstitutionelle und metabolische Ausgangslage, der Status der Krebserkrankung und die jeweils erforderlichen therapeutischen Maßnahmen (z.B. Operation, Strahlen-, oder Chemotherapie) zu berücksichtigen.